Psychoanalyse

In der Psychotherapie geht es vor allem um stützende und einfühlsame Findung neuer Lösungs – und Lebenswege. Dabei können die Ausgangsituationen und Ziele ganz unterschiedlich sein.

Die Psychoanalyse, die sich seit über 100 Jahren bewährt und weiterentwickelt hat, ist einer der ältesten und meist diskutiertesten Methoden.

Sigmund Freud war Begründer und seine Theorien spielen bis heute eine wesentliche Rolle in Behandlungstechnik und Sichtweisen. Jedoch wäre es ungenügend bei ihm den Schlussstrich zu ziehen. Die psychoanalytische Methodik besteht nicht nur aus Freuds Theorien, die sich im Laufe seines Lebens jedoch ebenso vielfältig weiterentwickelt haben. Schon mit seiner Tochter, Anna Freud, kamen neue Aspekte hinzu, alte wurden verworfen oder optimiert. Im Laufe des Jahrhunderts kamen eine Vielzahl großer Persönlichkeiten hinzu, wie z.B. Melanie Klein, Winnicott, Bion, Lacan und Kernberg die diese Therapiemethode für die heutige Gesellschaft angepasst haben.

Jedoch sind die zwei wesentlichen Konzepte, auf die die heutige Psychoanalyse baut, von Freud selbst konzipiert worden. Wir sprechen von der „ersten Topik“ und der „zweiten Topik“.

Erste Topik

Diese hat er bis zum Schluss nicht aufgegeben und sie galt zur damaligen Zeit als revolutionär.

Er teilte die Seele in drei Bereiche: dem Bewussten, dem Vorbewussten und dem Unbewussten. Innovativ war diese Unterteilung vor allem wegen letzterem. Vom Bewussten hat jeder eine gewisse Ahnung was vorgeht. Das Vorbewusste, im Sinne von z.B. Tagträumen stellte auch keine größere Herausforderung dar. Jedoch hat Freud einen Teil unserer Seele angesprochen, zu dem wir per se keine Angaben geben können – es ist ja auch unbewusst. Eine Zwickmühle entstand, welche Freud sehr wohl klar war. Um dieses Paradoxon aufzulösen, entwickelte er die Traumdeutung und schaffte eine ganz neue Art der Therapiemöglichkeiten im aufdeckendem Sinn.

Träume zu analysieren und gemeinsam mit dem Träumer zu deuten, ist bis heute ein wesentliches Instrument eines Analytikers.

Die Psychoanalyse sieht die Wurzel im Unbewussten. Ängste, Aggressionen, Wünsche, Vorstellungen, Begierden, Hemmungen etc. die überhaupt nicht oder nicht zu Gänze ins Bewusstsein hervortreten. Dabei entstehen Symptome, die oft als Warnsignal, Weckruf oder schlicht als Vermittler eben jener verborgenen Wünsche dienen. Dabei ist die Pathologie der Symptome oft nebensächlich, es geht viel mehr darum was hinter diesen Erscheinungen steht.

Kurz gesagt: Da wo Unbewusstes ist, soll Bewusstes werden. Oder auf Hinblick der zweiten Topik: Da wo Es ist, soll Ich werden.

Zweite Topik

Freud hat das menschliche Innenleben immer wieder gerne als „seelischen Apparat“ bezeichnet. Was die Humanisten als zu technisch kritisieren, so gern angenommen wird der Begriff von den Neurologen, wegen seiner Struktur.

So unterschied Freud, wieder in drei verschiedenen Teilen, unseren seelischen Apparat diesmal auf strukturelle Weise. Die erste Topik ist eine dynamische Ansichtweise des Menschen. Wie ein Fluss, der sich immer wieder verändert, neue Abzweigungen entstehen lässt und andere dabei austrocknen. Mal strömender, mal ruhiger, mal tiefer, mal seichter und dabei immer in Bewegung und Veränderung.

Die Unterscheidung in Ich, Es und Über – Ich ist da etwas starrer. Vergleichbar wie drei Kartons, in denen jahrelang verschiedenste Dinge von Eltern, Freunden, schöne oder auch schlechte Ereignisse hineingelegt wurden. Das Ich ist das Bild, welches wir im Spiegel sehen. Das was uns bewusst ist. So wie wir uns selbst und wie uns andere wahrnehmen.

Das Es sind unsere tiefsten Wünsche und Triebe. Wenn Sie wirklich wütend werden und sich nicht mehr an die gesellschaftlichen Normen anpassen können und wollen, taucht bei Ihnen das Es auf. Das Über – Ich hingegen, ist genau das Gegenteil. Da sind alle gesellschaftlichen Normen, die elterliche Erziehung, alle Do’s and Don’ts die wir im Laufe eines Lebens gesammelt haben. Viele davon sind notwendig und hilfreich in der Welt zurecht zu kommen. Manche sogar lebensnotwendig um nicht in gefährliche Situationen zu geraten. Jedoch kann es auch vorkommen, dass einige innere Regeln besonders streng oder quälend sind und Sie daran hindern ein glückliches und selbstbestimmtes Leben zu führen.

Ich habe in dieser kleinen Einführung absichtlich Freud herangezogen. Natürlich, weil er Begründer der Psychoanalyse war, aber genauso, weil er so umstritten ist. Einiges wurde widerlegt, anderes wurde für die heute Zeit adaptiert und optimiert und vieles ist jedoch aktueller den je. Die Diskussionen sind noch lange nicht zu Ende und das ist auch gut so. Eine Wissenschaft lebt vom kritischen Diskurs und ohne diese wäre die Psychoanalyse tatsächlich schon passé.

Literaturtipp für Interessierte:
Felix de Mendelssohn: Das psychoanalytische Subjekt. Schriften zur psychoanalytischen Theorie und Technik